Woher kommt der Naturschutz? Was sind seine Wurzeln?

Ideengeschichtlich betrachtet war der Naturschutz ein Kind der Romantik. Mehr oder weniger stark ausgeprägte Naturliebe bis hin zur Naturschwärmerei war sein Markenzeichen. Und ohne einen emotionalen Bezug zur Natur kommen wir auch heute - selbstverständlich - nicht aus.

Die in Deutschland rasanter als anderswo in Europa und besonders expansiv verlaufende Industrialisierung durch das aufstrebende Wirtschaftsbürgertum hatte gleichzeitig viele Bürgerüberfordert und verunsichert. Sie konnten innerhalb einer halben Generation die tiefgreifenden Umwälzungen der gewohnten Umgebung nicht begreifen. Man kann sich sehr wohl eine gewisse Orientierungslosigkeit vorstellen, die Technikfeindlichkeit, Großstadtfeindlichkeit aber auch Naturliebe bis hin zur Naturschwärmerei förderte. Nicht umsonst sangen die Jugendbewegten und Wandervögel Anfang des 20. Jahrhunderts "Aus grauer Städte Mauern zieh'n wir ins Land hinaus..."

Der Naturschutz hatte aber mit den Arbeiter-Wanderbünden und allen voran mit den Naturfreunden auch "linke" Wurzeln. Die Einführung eines 8-Stunden Tages und des Urlaubsanspruches von 3bis 6 Tagen in der Weimarer Zeit sicherten den Naturfreunden einen bedeutenden Zulauf. Neben einer betont antikapitalistischen Rhetorik bedienten sie das Freizeitbedürfnis der arbeitenden Klasse. Bis 1933 entstanden in Deutschland 220 Naturfreundehäuser, die Erholungsmöglichkeiten schufen. Nach 33 wurden die meisten der linken Wanderbünde zwangsweise aufgelöst.

Aus einer Rede des damaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin zur Eröffnung des Kongresses "Naturschutz und Nationalsozialismus" in Berlin (Umweltforum), 04.07.2002.

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