Nachhaltigkeit – Ursprung in der Forstwirtschaft  » 1713

Nachhaltige Personalwirtschaft, nachhaltige Entwicklung, nachhaltige Energiepolitik, sogar einen Nachhaltigkeitsrat hat die Bundesregierung berufen: Nachhaltig ist derzeit in aller Munde. Doch nicht jeder, der hierzulande das Wort benutzt, kennt auch seinen Ursprung. Dabei ist die Nachhaltigkeit doch eine deutsche "Erfindung". Ihre Urheber: deutsche Forstleute.

Bereits 1713 nutzte der sächsische Berghauptmann Hannß Carl von Carlowitz das Wort „nachhaltig“ zum ersten Mal. In seiner Schrift "Sylvicultura Oeconomica" ("Naturgemässe Anweisung zur wilden Baum-Zucht") forderte er, "den Anbau des Holzes so anzustellen, dass es eine continuierliche, beständige, nachhaltige Nutzung gebe".

Zwischen 1795 und 1804 konkretisierte der für verschiedene Fürsten tätige Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig diesen Nachhaltigkeitsgedanken: "Es läßt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, daß die Nachkommenschaft wenigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet" (aus: Anweisung zur Taxation der Forsten).Nachhaltig_bewirtschaftete_Waelder_IG_Rotkern

Nur soviel Holz zu schlagen, wie insgesamt wieder nachwächst – das war die Erkenntnis, die sich in der Forstwirtschaft im 18. Jahrhunderts mehr und mehr durchsetzte. Nicht von ungefähr: Nach jahrhundertelangem Raubbau am Wald ging das Gespenst der Holznot um. Große Flächen waren kahlgeschlagen, verwüstet oder lagen brach. Der Ruf nach planvoller Waldnutzung, nach Erhaltung der verbliebenen Wälder und Wiederaufforstung der kahlen Flächen wurde immer lauter. Das war die Geburtsstunde einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Stetig wurde dieses Prinzip seitdem weiterentwickelt und auch heute noch tragen neue Konzepte zur Verbesserung einer zukunftsgerichteten, multifunktionalen Waldbewirtschaftung bei. Forstwegbau

Wenngleich die deutsche Forstwirtschaft seit Jahrzehnten international als Vorbild anerkannt ist, so muss die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder global betrachtet noch immer als Ausnahmefall angesehen werden (Waldvernichtung v.a. auf der Südhalbkugel). (LLa)

<< zurück

archaeologie-online_468x60_2