Waldschädlinge bedrohen den Wald und damit eine Lebensgrundlage der Menschen

Nonnenraupen zerfressen Ebersberger Forst (Bayern) ¬Ľ 1890

Nonnenfalter zerst√∂ren 1890 nahezu die H√§lfte des Ebersberger Forstes (ein Waldgebiet ca. 20 km √∂stlich von M√ľnchen), in Zahlen ausgedr√ľckt 2.800 Hektar Wald. Der insektenarme monotone Fichtenbestand ist der Plage hilflos ausgeliefert; es fehlen die nat√ľrlichen Fressfeinde der Nonne, die seit 1888 vermehrt in der Gegend beobachtet werden. In der R√ľckschau von L. Eichhorn (1982) zerdr√ľckten die Schulkinder der benachbarten Ortschaften Millionen Falter an den Baumst√§mmen mit Lappen und alten Handschuhen. Letztlich erfolglos, wie Ernst Rohmeder (1933) schildert:

"Trotz ausgedehnter Bek√§mpfung der [...] R√§upchen kam es zu einem nicht geahnten, ungeheuren Fra√ü. Sowie die Raupen halbw√ľchsig waren, lichteten sich √ľberall die Best√§nde, man h√∂rte Tag und Nacht den Raupenkot fallen, die Luft war verpestet, die anfangs festgestellten Fra√üherde liefen zusammen in ein gro√ües ausgedehntes Befallsgebiet. [...] Der Falterflug zur Hauptschw√§rmzeit war ungeheuer. Namentlich in den kahlgefressenen Best√§nden glich er einem Schneegest√∂ber."

Nach Ansicht von Prof. Karl Mantel wäre es in einem gemischten Wald mit höherer Artenvielfalt nicht zu einer Katastrophe in diesem Ausmaß gekommen.

Zu allem √úberfluss vernichtet ein Zyklon im Juli 1894 weitere 577 Hektar des geschundenen Waldes, der danach mit schnellw√ľchsigen Holzarten, jedoch nicht nur mit Fichten, wieder aufgeforstet wird.

Nach Auskunft der heutigen Webseite www.ebersberger-forst.com ist der Ebersberger Forst ca. 90 km¬≤ gro√ü und damit das gr√∂√üte  zusammenh√§ngende Waldgebiet in Deutschland, das von keiner Siedlung unterbrochen ist. 77 km¬≤ der Fl√§che befinden sich im Besitz des Freistaats Bayern, der Rest ist Gemeinde- und Privatbesitz. (LLa)

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Literatur: Bayerische Waldlandschaften im Wandel der Zeit, hg. v. BStMfELF 1982; Ernst Rohmeder: Der Nonnenraupenfraß 1889/91 und der Wirbelsturm vom 14.7.1894 im Ebersberger Forst, 1933.

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