Die Jutetasche: kratzig aber korrekt » 1978

Sie war das Symbol für mehr Umweltbewusstsein und gegen die Wegwerfmentalität in Deutschland: die Jutetasche aus Bangladesch. Im Zuge des Fairen Handels führte sie das 1975 von kirchlichen Organisa-tionen gegründete Handelshaus GEPA im Jahr 1978 erstmals in Deutschland ein. Mit Forderungen bedruckt wie "Jute statt Plastik", "Frieden schaffen ohne Waffen", "Atomkraft nein danke" etc. wurde sie dann von kirchlich, ökologisch und politisch motivierten Aktionsgruppen bis weit in die 1980er Jahre millionenfach in Dritte-Welt-Läden, an Straßenständen und auf Protestveranstaltungen verkauft.

Die Jutetasche war ein Statement für einen verantwortungsvolleren Lebensstil, vordergründig demonstriert durch die Mehrfachnutzung der 40 mal 40 cm großen Tasche aus nachwachsenden, vollständig biologisch abbaubaren Bastfasern anstelle des Einmalgebrauchs diverser erdölbasierter, umweltbelastender Plastiktüten. Dass die braunen, ungefärbten Beutel streng rochen und kratzten, nahmen seine Träger in Kauf.

Im Unterschied zu mancher idealistischen aber wirkungslosen Öko-Aktion führte die Jutetasche tatsächlich zum Nachdenken der Gesellschaft über ungebremsten Konsum, über Umwelt- und Müllprobleme und über die Frage, inwieweit die reichen Länder auf Kosten der armen leben. Die Idee des fairen Welthandels wurde vielen bekannt, der besser noch als sporadisches Geldspenden geeignet ist, viele Menschen in Ostasien, Afrika und Südamerika aus der Armut und Bildungsmisere zu befreien. Mehr als fünf Millionen Taschen, die allein die GEPA verkaufte, verhalfen ganz konkret den produzierenden Dorfgemeinschaften (Frauen) im islamischen Bangladesch zu einer belastbaren Zukunftsperspektive.

Heute hat die Baumwolltasche den Jutebeutel beim "korrekten Einkauf" abgelöst. (LLa)

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