Hoffmann-La Roche und das Seveso-Gift >> 10.07.1976

Im italienischen Ort Seveso, etwa 30 km vor Mailand, traten am 10. Juli 1976 aus einem Reaktor der Firma ICMESA 3.000 kg hochätzende Chemikalien aus, darunter
2-3 kg eines extrem giftigen Gases: 2,3,7,8-Tetrachlordibenzol[1,4]dioxin, kurz TCDD. Es entstand durch eine Überhitzung bei der Produktion von Trichlorphenol.

Zunächst verharmloste ICMESA, eine Tochter des Chemie-Riesens Hoffmann-La Roche die tödliche Giftwolke, die sich über die Kleinstadt legte. 17 Tage dauerte es, bis die betroffenen Gebiete evakuiert wurden und der Konzern die vernichtende Wirkung des "Seveso-Giftes" Dioxin bestätigte.

Die Schreckensbilanz liest sich wie folgt:

  • bis zu 200 Menschen erkrankten an schweren Hautkrankheiten (Chlorakne),
  • Leukämie und andere Krebskrankheiten stiegen an,
  • 1978 wurde jedes 7. Baby der Region (101) missgebildet geboren,
  • bis zu 70.000 Tiere verendeten oder wurden notgeschlachtet,
  • Planzen und Bäume starben ab,
  • 200 Familien (700 Personen) verloren ihr Zuhause,
  • der Boden wurde im Kerngebiet 20 cm tief abgetragen.

Hoffmann-La Roche soll nach Angaben des ARD-Korrespondenten Jörg Seisselberg innerhalb von 30 Jahren umgerechnet 197 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen geleistet haben. Gleichwohl blieb der Strafvollzug gegen die Verantwortlichen weit unter den Erwartungen der Opfer und dem Gerechtigkeitssinn der Öffentlichkeit zurück. (LLa)

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