Chemiewerk Anic verseucht Apulien » September 1976

Ein technischer Unfall mit schweren Folgen für die Arbeiter, Bevölkerung und Umwelt wird Ende September 1976 aus der Küstenstadt Manfredonia in Apulien (Italien) gemeldet. 20 Arbeiter des Chemiewerks Anic (Produktionsstätte für Düngemittel, Teil des staatlichen Konzerns ENI) erleiden Vergiftungen. Nach einer explosionsartigen Verdampfung schlägt sich in einem Gebiet von 10-15 km² Arsentrioxid (Arsenik) nieder. Zwischen 10 und 30 Tonnen schwanken die Angaben zur ausgetretenen Menge. Familien werden evakuiert, Tiere sterben oder erkranken, Ernten werden unbrauchbar (Mandeln, Oliven u.a.), der Fischfang im betroffenen Meeresabschnitt wird verboten, in der Folge werden rund 3.000 Menschen arbeitslos.

Die notwendige Entgiftung stellt für die Region, die seit 1970 bereits mehrere Überschwemmungen, ein Erdbeben, die Cholera und 1974 die Schiffshavarie der "Cavtat" (mit 300 Tonnen tödlichem Bleitetraäthyl an Bord) erleiden musste, vor enorme Probleme.

In ganz Italien erwacht 1976 ein neues Umweltbewusstsein, denn "Manfredonia" ist in jenem Jahr die 2. gigantische Chemiekatastrophe neben "Seveso". (LLa)

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Größte Chemie-Katastrophe Ungarns vergiftet 40 km² » 04.10.2010

750.000 Kubikmeter Bauxitschlamm treten aus einem Auffangbecken der ungarischen  Aluminiumfabrik MAL AG in Ajka aus. Das UnglĂĽck ereignet sich etwa 50 km nördlich des Balatons und in gut 150 km Entfernung von Budapest.

Nach dem Bruch des Auffangbeckens verbreitet sich eine giftige rote BrĂĽhe. Dieser Rotschlamm macht 350 Häuser unbewohnbar und verseucht insgesamt eine Fläche von rund 40.000 km². Neun Menschen verlieren ihr Leben,  etwa 150 erleiden Verletzungen. FĂĽr die Landbevölkerung der Region entfällt der Ackerbau als oft einzige Einnahmequelle. Die Natronlauge, mit deren Hilfe das begehrte Aluminiumhydroxid aus dem Bauxit gelöst wird, erreicht auch die FlĂĽsse Raab und Donau.

110414 Umweltmuseum MAL Screenshot

Während die ungarische Regierung das Werk unter staatliche Zwangsverwaltung stellt und bis Jahresende den Notstand ausruft, nimmt MAL die Produktion bereits nach zwei Wochen (17.10.) wieder mit voller Kapazität auf. Greenpeace wirft MAL und den lokalen Behörden vor, Sicherheitsauflagen der EU nicht eingehalten bzw. überwacht zu haben.

Wie die Frankfurter Rundschau (08.10.10) recherchiert, ist Ungarn mit einer Jahresproduktion von rund 550.000 Tonnen einer der kleinsten Bauxit-Produzenten der Welt. In Europa werden nur noch in Griechenland nennenswerte Mengen gewonnen (2,2 Mio. t). Global fĂĽhrend sind danach Australien, China, Brasilien, Indien und Guinea, die ein Viertel der Weltjahresproduktion von 205 Mio. t Bauxit bereitstellen. In Eurasien sind Russland und Kasachstan fĂĽhrend. (LLa)

Pressemitteilungen der MAL AG

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Pressemitteilungen der MAL AG nach dem verheerenden UnglĂĽck

(unveränderter Wortlaut von der Webseite http://deutsch.mal.hu):

 Viele wurden aus den Informationen des Medias verständigt, dass eine Umweltkatastrophe am 4. Oktober, 2010, um 12 Uhr 10 Minuten erfolgte, wann der 10. Damm des Rotschlammspeichers der Tonerdefabrik in Ajka von MAL AG durchgebrochen ist, was in der Geschichte der Tonerdeherstellung des Bayer-Verfahrens beispiellos ist.

Die Geschäftsführung möchte das tiefste Bedauern jedem Einwohner zum Ausdruck bringen, der von dieser Katastrophe persönlich auch berührt wurden ist. Die MAL AG ist verpflichtet, jeden Organisationen, die in der Abwehr direkt mitgewirkt hatten und mitwirken, ein Dank zu sagen. Besonders müssen die Familien hervorgehoben werden und denen unser tiefstes Bedauern ausdrücken, die die schwerste menschliche Tragödie miterlebt hatten, Mitglied der Familie verloren zu haben.

Die Führung der Gesellschaft ist verpflichtet, die öffentliche Meinung kontinuierlich und verbürgt in der Angelegenheit zu informieren.

Auf Grund des jetzigen Wissens – aber nicht vorangehend den ExpertenprĂĽfungen der Behörden – ist die Ecke des 10. Speichers wegen der auĂźerordentlich anhaltenden Regenfälle auf dem aufgeweichten tonhaltigen Boden ausgerutscht ist. Gleichzeitig auf den Luftaufnahmen kann man sehen, dass der Rotschlamm ernste selbsttragende Wirkung hat, so 96-98 % des Rotschlammes in den ersten Schätzungen in dem Speicher geblieben ist.

Die Gesellschaft hat die Schadenbeseitigung nach der Abstimmung mit den Fachbehörden und den Organen von Landeswirkung gemeinsam mit ihren größten strategischen Partnern unverzüglich angefangen. Die Reinigung des Wegs zum beschädigten Speicher ist teilweise im Gange, die Beseitigung der weiteren Schickung mit Versatz hat begonnen.

Laut der heutigen Situationsanalyse der Geschäftsführung konnte sie noch bei der sorgfältigen Einhaltung des technologischen Verfahrens die Zeichen der Katastrophe nicht wahrnehmen oder im Interesse derer Ablenkung tun hätten können. Die letzte physische Besichtigung, die am gleichen Tag erfolgte, und die Analysierung des Wassermusters genommen aus dem inneren Teil der Spaltwand hat keinerlei Vorzeichen der eingetroffenen Katastrophe gezeigt.

Es ist wichtig zu wissen, dass der Rotschlamm laut den Abfallnormen der EU kein gefährlicher Abfall ist. (Kode: EWC -010309)

Die Zusammensetzung des Rotschlammes:

  • Fe2O3 (Eisenoxid) 40-45 % das gibt die Farbe des Rotschlammes
  • Al2O3 (Aluminiumoxid) 10-15 %
  • SiO2 (Siliziumdioxid) 10-15 % vorhanden ist als Natrium- oder Kalziumaluminiumsilikat
  • CaO (Kalziumoxid) 6-10 %
  • Tio2 (Titandioxid) 4-5 %
  • Na2O (gebundenes Natron) 5-6 %

Die Bestandteile des Rotschlammes sind in stabiler, gebundener Form, die werden vom Wasser in keinerleier Form nicht gelöst.

Nach einigen Tagen werden wir die öffentliche Meinung ĂĽber den Fortschritt der Schadenablenkungsarbeiten und die weiteren nötigen MaĂźnahmen informieren. Die Gesellschaft wird alle zur VerfĂĽgung stehenden Mittel in Anspruch nehmen und wird alles daran setzen, um die Wirkungen der menschlichen Tragödien – sollte dies eigentlich möglich sein – zu mildern.

Die Geschäftsführung dementiert nachdrücklich die Nachricht über den zweiten Dammbruch.

Die Geschäftsführung

 

 Spätere Pressemitteilung von MAL (10.10.2010, http://deutsch.mal.hu)

 Die MAL AG drĂĽckt ihr MitgefĂĽhl aus und bittet um Entschuldigung

 AJKA, 10.10.2010. 16.00 – Den Vorstand und jeden Arbeitnehmern hat die eingetroffene Katastrophe tief erschĂĽttert. Wir möchten unser aufrichtiges Bedauern jeder einzelnen Familie der Opfer, Verletzten und Betroffenen der Katestrophe zum Ausdruck bringen. Wir setzen alles daran, um die Schaden zu beseitigen. Wir arbeiten mit jeden mitwirkenden Organen zusammen, um die Lage in der Region bald normalisier werden zu können.

 Die MAL Zrt. stimmt mit vollem MaĂź mit Herren Ministerpräsident Viktor Orbán ĂĽberein, dass die tatsächlichen Verantwortlichen gefunden werden sollen, weiterhin dass die MAL AG im Anteil ihrer Verantwortung die Schaden aufkommen soll.

 Der Vorstand und die FĂĽhrung der MAL Zrt. bitten um Entschuldigung darum auch, in den ersten Tagen der Katastrophe ihr MitgefĂĽhl nicht in entsprechender Weise ausgedrĂĽckt haben zu können.

Ajka - Zentrale
H-8400 Ajka, Gyártelep, Hrsz.: 598.
H-8401 Ajka, Pf.: 124.
Tel: +36-88-522-400
Fax: +36-88-311-634
E-mail: mal@mal.hu
www.mal.hu
http://deutsch.mal.hu
 

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