Größte anzunehmende Unfälle, eine bittere Realität


Die Atomkatastrophe von Majak » 29.09.1957

Das 1957 explodiert in Majak im Südural ein Tank mit Atommüll, schätzungsweise eine halbe Million Menschen werden verstrahlt. Bei der Katastrophe wird erheblich mehr Radioaktivität freigesetzt, als später beim GAU in Tschernobyl. Bis in die neunziger Jahre wird der Unfall verschwiegen. Tausende Männer, Frauen und Kinder leiden bis heute an den Folgen. Stillgelegt wurde die russische Anlage nie. Im Gegenteil: In Majak, eine der größten Atomfabriken der Welt, kommt es bis heute immer wieder zu gravierenden atomaren Zwischenfällen.

Die Fabrik "Majak" (Leuchtturm) gehörte zu den Produktionsstätten für die erste sowjetische Atombombe, die Stalin als Reaktion auf die Atombombenabwürfe der USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki 1945 in Auftrag gab. Die von Moskau in diesem Zuge eingerichtete Sperrzone, ein Gebiet von 980 Quadratkilometern zwischen Tscheljabinsk und Jekaterinburg (Swerdlowsk), gilt als die am stärksten radioaktiv verseuchte Region der Welt. (LLa/ZDF)

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Atom außer Kontrolle: Tschernobyl » 26.04.1986

Am 26. April 1986 explodiert der Reaktorblock 4 der Kernkraftanlage von Tschernobyl (130 km nördlich von Kiew), gerät für einige Tage in Brand und setzt damit eine Atomstrahlung von 50 Millionen Curie frei. Das entspricht der 30- bis 40-
fachen Radioaktivität der Hiroshima-Atombombe. Radioaktive Teilchen und Gase werden mehr als einen Kilometer hoch in die Luft geschleudert. In den nachfolgenden Tagen und Wochen verteilen sich die verseuchten Luftmassen über Europa und erreichen sogar Japan und die USA. Ursache des GAU, bei dem 3,5 % des radioaktiven Materials des Reaktorkerns in die Außenwelt gelangen, ist menschliches Fehlverhalten bei einem technischen Experiment an einer Turbine.

Die sowjetischen Behörden benachrichtigen das Ausland erst Tage später (Nachrichtenagentur TASS am 28.04.) und verunsichern und schädigen mit ihrer Informationspolitik die Menschen im betroffenen Gebiet und im übrigen Europa. Ahnungslos halten sich beispielsweise die Südschweden und Dänen im Freien in einer 15-fach erhöhten Radioaktivität auf. Niederschläge sorgen auch in Deutschland dafür, dass radioaktive Stoffe ausgewaschen und abgelagert werden. Ohne es zu wissen, setzen sich etwa die Besucher von regionalen Großveranstaltungen wie "Rhein in Flammen" dem radioaktiven Nieselregen aus. An verlässlichen Ratschlägen für Verbraucher fehlt es in diesen Tagen, weshalb die Bevölkerung teils panisch reagiert. Als bekannt wird, dass die radioaktiven Stoffe über den Boden in das Grundwasser, in Nahrungsmittel (Gemüse, Pilze etc.), in Wildtiernahrung, in Viehfutter und damit in Tiere und tierische Produkte (Kuhmilch usw.) gelangen, kommt es zu verstärkten Vorratseinkäufen (Konserven, Mineral-
wasser, H-Milch etc. mit Abpackdatum vor dem Unglück). Eine Nachbetrachtung des Öko-Instituts e.V. fasst den Beratungsbedarf wie folgt zusammen: "Anfänglich ging es hauptsächlich um Fragen, welche Lebensmittel noch gegessen werden können.
[...] Später ging es vor allem um radioaktiven Niederschlag im Hausstaub, im Garten sowie auf Kinderspielplätzen und entsprechende Verhaltensempfehlungen."

Die direkte Zahl der Opfer in der damaligen UdSSR bleibt unklar. Ende 1986 bilanziert man in deutschen Medien 28 unmittelbar Verstorbene, einige hundert akut verstrahlte Kranke sowie 135.000 Bewohner, die aus einer 30-km-Zone evakuiert werden. Rund 20 Jahre später ist klar: die Zahlen liegen höher, sind aber je nach Definition und Interesse des Absenders stark schwankend. So schreibt DER SPIEGEL am 18.04.2006: "Starben wenige Dutzend oder zehntausende Menschen nach der Tschernobyl-Katastrophe? Die Folgen des Atomunfalls lassen sich kaum verlässlich summieren: Greenpeace geht von deutlich höheren Opferzahlen [93.000 Tote] als die Vereinten Nationen [4.000] aus - und wirft deren Atom-Organisation IAEA [56] Verharmlosung vor.

"Tschernobyl" ist die zweite verheerende Atomkatastrophe der Sowjetunion nach dem GAU von Majak am 29.09.1957. (LLa)

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